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Verlorene Kinder! (Integration von verhaltensauffälligen Kindern)

Verloren sind diese Kinder, weil ihnen etwas sehr Wichtiges vorenthalten worden ist, etwas, das ihnen geholfen hätte, sich erfolgreich in ihr Umfeld einzubringen: Erziehung.

Ich suche demnach nicht nach medizinischen Schubladen, in die hinein ich sie vor meinem Blick, vor meiner Sorge und Verantwortung verstecken kann, sondern teile die Ansicht vieler Großeltern, dass diese Kinder einfach nur “unerzogen” sind. Und die Situation wird noch ernster, wenn man bedenkt, dass man das Verlorene ganz gewiss nicht einfach zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, ja zurückholen kann. Diese fehlenden Kompetenzen, die man im Allgemeinen mit dem Begriff “Schulreife” verknüpfen möchte, die erwerben Kinder nicht in der Schule sondern vor der Schulzeit im Elternhaus. 
In Baden-Württemberg hat man sich jetzt dagegen vorgenommen, Kinder in der Schule für die Schule fit zu machen. Man hat gemerkt, dass Eltern immer zurückhaltender werden und sich nicht trauen, und das zunehmend auch gut begründet, ihre Kinder mit 6 Jahren in die Schule zu geben.
Es fehlt vielen Kindern einfach das Handwerkszeug für das gemeinsame Lernen in der Gruppe. Ein Beispiel ist die häufig fehlende Frustrationstoleranz, das Aushalten-Können von Nichtbeachtung, ja sogar von Ablehnung. Und so reagieren diese Kinder wie Dreijährige, denen man kurz die Aufmerksamkeit entzieht: sie werden laut, aggressiv und unruhig.
Viele Lehrer handeln im Glauben an ihre pädagogische Supermacht und versuchen es mit einer Art von Nacherziehung, sie versuchen es mit Strenge, mit Lob und Tadel, mit ausgefeilten Anti-Aggressionsprogrammen, Tausenden von Gesprächen, sie versuchen erfolglos “Korrekturen” vorzunehmen und enden in Wut oder Überheblichkeit.

Dabei finden diese späten Umlernprozesse, wenn überhaupt nur in einem ganz kleinen, engen therapeutischen Rahmen statt.
Und wir merken gar nicht, wie sehr wir uns dabei selbst in die eigene Tasche lügen.
Der erste Schritt, der allererste, wäre der, dass wir bescheiden werden und anerkennen,

  • Schulkinder lassen sich nicht durch eine Art Nacherziehung in der Schule in ihren wesentlichen Eigenheiten “korregieren”.

Erst dann kann der Blick darauf abzielen, was wir durch unsere Arbeit eventuell doch anregen, was wir “entzünden” können.
Die täglich wachsende Katastrophe, der Erziehungsnotstand,
ist meist nicht durch Erziehungsfehler, sondern häufig durch das Fehlen von Erziehung entstanden. Erziehung ist für viele zu anstrengend und zu zeitraubend geworden.

Es bleibt aber die Frage offen, und das Suchen nach Antworten wird für manche Kollegen zur Existenzfrage, wie man mit “unerzogenen” nicht gruppenfähigen, jungen Egomanen so etwas Komplexes und Soziales wie Unterricht und Lernen organisieren kann. Das dies sehr schwierig ist zeigen ja auch die Ergebnisse der Pisastudie.
Wir brauchen zunächst also einen realistischen Blick auf die Aufgabe, die uns beschäftigt. Nur wenn die Hindernisse bekannt sind, die Bruchstellen, die Umwege, dann können wir uns begegnen und ein Stück gemeinsam gehen.

 

Sonderpädagogik - eine Geländefahrt

Sonderpädagogik ist eine Fahrt durchs Gelände und Pädagogik ist eine Fahrt auf der Schnellstraße. So einfach ist der Unterschied, zumindest im Bild:

Wir können beide Autofahren, haben beide gleich lang für den Führerschein gelernt und doch kommst du schneller ans Ziel, weil du auf der Schnellstraße in ordentlicher Reihe hintereinander fahren kannst und ich mich im Gelände vorwärts bewegen muss.
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Eine Schule für alle! 2007

Aufbruch zu neuen Ufern

Im vergangenen Jahr gab es viele Menschen, die dem immer lauter werdenden Ruf in Deutschland „Eine Schule für alle“ folgten. Mitte November fuhren 2500 Interessierte dazu nach Köln, eine Woche später waren es 800 in Ludwigsburg. Eine Volksinitiative in Hamburg bringt es mittlerweile auf über 12000 Unterschriften. Fleißig wurden Konzepte für mehr gemeinsames Lernen gesucht und erarbeitet, wobei hier insbesondere die skandinavischen Länder, einschließlich Dänemark als Vorbild fungierten. Diese Haltung, dieser pädagogische Anspruch, lässt sich mit der Leitidee aus Finnland zusammenfassen: „Kein Kind darf verloren gehen“. 

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