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Was hat Bootfahren mit Schule zu tun?

Dieser Eintrag stammt von admin Am 22.5.2008 @ 20:26 In TEAM-Arbeit | Keine Kommentare

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Vor einigen Wochen tauchte ein recht provokantes Buch im Lehrerzimmer auf: „Lob der Disziplin“ von Bueb. Dort ist auf Seite 12 vom Erzieher die Rede, der sich wie ein Schiffer verhalten sollte. Der Schiffer neigt sich nach rechts, wenn das Schifflein sich nach links neigt, und umgekehrt.

Dieses Bild stammt eigentlich von Thomas Mann und soll bei Bueb für das richtige Maß an Disziplin und Autorität in der Erziehung werben. Leider neigen wir Pädagogen nämlich seit längerem dazu,  unseren Standpunkt diesbezüglich gegenüber den Kindern pendelartig von einem Extrem zum anderen zu verschieben: einmal fordern wir unbedingten Gehorsam, dann, nur eine Generation später, lassen wir alles wild ins Kraut schießen, - um noch ein anderes, bei Lehrern beliebtes Bild zu bemühen. Dabei könnte uns das Bootfahren bei einem zweiten Blick noch einiges mehr über das Lernen und Arbeiten in der Schule verraten:Das mit dem Gleichgewicht im Boot zum Beispiel: das nennt man eigentlich Trimmung, hier, im Falle von Gewichtsverlagerung - Gewichtstrimm. Im Boot müssen sich alle so hinsetzen und verhalten, dass das Gleichgewicht erhalten bleibt, sonst gerät der Kahn in Schieflage, es kommt zur Krängung und damit oft zur Kränkung der Insassen. Dabei kann durchaus die Extremlage des einen durch die eines anderen ausgeglichen werden. Von außen schlagen zusätzlich auch noch Wellen oder Hindernisse an den Rumpf. Auf diese Irritationen müssen wir im Boot reagieren, nicht alle durcheinander, sondern koordiniert. Dabei schauen alle in alle Richtungen und tauschen sich  über das aus, was sie sehen. „Sind wir bald da?“ „Ich glaub schon.“Jeder hat dabei nur ein begrenztes Sichtfeld, anders jedoch der Steuermann: Er sitzt hinten, das hat mit den Widerstandskräften zu tun, die dort am größten sind, und die deshalb auch eine gute Ruderwirkung ermöglichen. Der Steuermann sitzt hinten, und er sitzt erhöht. Dadurch überblickt er nicht nur das ganze Boot und die Gruppe darin, sondern auch das Gelände der Umgebung, was ihn immer wieder zu Kurskorrekturen zwingt. Und dabei ist es nicht notwendig, dass er jeden einzelnen Paddelschlag mitmacht. Er sollte allerdings Erfahrung mitbringen, den Weg kennen und auch schon mal  eine Kenterung heil überstanden haben. Der Steuermann motiviert die Gruppe zu mehr Einsatz, denn er weiß, dass er den Kurs nur so lange halten kann, wie er Druck auf dem Ruder spürt. Alleine kann er das Boot sowieso nicht vorwärts bewegen.Die Mannschaft weiß aber auch, dass sie ohne ihn keinen Erfolg haben wird.  Doch wohin soll die Fahrt überhaupt gehen? Darüber können alle gemeinsam in Ruhe beraten. Vor der Fahrt!Unterwegs jedoch, und besonders bei Gegenströmung und Gegenwind, ist für lange Diskussionen kein Platz. Da muss man sich aufeinander verlassen können und sich vertrauen. Und zum Schluss, wenn man gemeinsam eine gute Strecke geschafft hat und dabei auch noch den richtigen Schwung, die richtige Trimmung, gefunden hat, dann hat sich etwas Großes bewegt, auch für jeden Einzelnen.Dann macht sich ein Gefühl von Glück, Erfolg und Verbundenheit breit. Schade, dass wir das so selten erleben, beim Bootfahren – oder bei der Arbeit in der Schule! Denn: Wer steigt heute noch gemeinsam mit anderen in ein großes Boot? Beliebter sind, auch bei den Rheinbrüdern, seit langem schon die Einerkajaks, in denen jeder alleine schnell und wendig für sich die nächste Welle abreiten kann.   Ab und zu begegnen wir uns noch, irgendwo, in der Einsamkeit, mitten im großen Strom. Wir winken uns kurz zu.  

„Ahoi, wo geht’s denn hin?“

„Wie bitte? Verstehe nicht!“

„Wo´s hin geht?“

„Na, rüber!“

„War auch schon da!“

„Was?“

„Egal, muss weiter!“

„Tschüss, dann bis drüben!“ 


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