das ist die Schule, in der ich mit meinen Kumpels aus der Straße gehe. Dort wissen die Lehrer, was hier im Viertel so los ist.
Abends findet noch Judo statt in der Halle, ein Lehrer ist der Judolehrer und ich bin auch mit dabei. Eigentlich lerne ich in der Klasse ganz für mich alleine, ich weiß gar nicht genau, welche Aufgaben die Mitschüler gerade bekommen, zumindes in Deutsch und Masthe. Wir haben einen Zweitlehrer, der mit rum geht, also brauche ich nicht lange zu warten, bis ich Hilfe bekomme.
In den Sachfächern arbeiten wir oft in der Gruppe an coolen Projekten. Erst kürzlich haben wir ein Boot restauriert. Natürlich gehört auch eine Menge Theorie dazu: Ich weiß jetzt auch, warum ein schweres Boot schwimmen kann. Klar gibt es auch Außenseiter: Peter ist der Klassenclown, Paula redet fast kein Wort und Jim sitzt im Rollstuhl. Aber irgendwie würde jeder fehlen, wenn er nicht mehr da wäre. Schließlich sind wir eine Gruppe, die 9 Jahre zusammenbleibt. Der Klassenlehrer unterrichtet fast alle Fächer, so dass wir kaum Lehrerwechsel haben. Nur in Sport und Kochen haben wir andere Lehrer, da hat er keine Ahnung. Dienstags um 18.00 Uhr singe ich im Schulchor und mein Vater, das ist der Hit, spielt dabei Gitarre. Eltern dürfen auch Vieles mitmachen. Eine Gruppe trommelt manchmal auch dazu, ich glaube, die sind behindert.
Wenns mal Stress gibt, Ärger und Streitereien, dann muss man in den Trainingsraum bis nachmittags, da wird dann alles geklärt mit der Schulsozialarbeiterin. Manmal kommt es auch zu einer Widergutmachung. Dann musst du zum Beispiel bei den Kleinen die Hausaufgaben regeln. Überhaupt achten alle auf ein gutes Benehmen, mit Respekt und so. Es gibt Punkte für gutes Verhalten. Wenn einer nach ein paar Jahren über 50 Sozialpunkte hat, dann hat er gewisse Freiheiten. Ein paar Schüler der Klasse 9 dürfen sogar alleine im Klassenraum arbeiten, ohne Lehrer oder in den PC-Raum, wann sie wollen. Ich habe erst 25 Punkte, damit darf ich zweimal am Nachmittag in die Fahrradwerkstatt, weil ich mir da ein Super-Rad zusammenbaue. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Monat lang einen Kleinen sicher auf seinem Schulweg begleite, dann bekomme ich 5 neue Sozialpunkte und dann darf ich endlich in die Hiphop-Gruppe, wenn die anderen Musikunterricht haben.
Hier fühle ich mich wohl, hier will ich bleiben.